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Sind Aktien zu teuer?

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Die Hausse an den Börsen geht unbeirrt weiter und zwar solange bis ihr die Luft ausgeht. Wir erleben das sprichwörtliche ‘climbing the wall of worry’. Mit anderen Worten man riskiert besser was als den Zug ganz zu verpassen.

Einige Frühindikatoren lassen auch schon auf eine deutliche Verlangsamung der Rezession hoffen. Industrieproduktion in Japan legte im letzten Monat wieder kräftig zu. Die asiatischen Börsen sind daher auch sprungartig angestiegen. Wen kümmert es da schon das die Industrieproduktion auf das ganze Jahr gesehen um mehr als Dreißig Prozent niedriger ausfällt.

Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte West Texas Intermediate hat zum ersten mal seit November letzten Jahres wieder die die Marke von 65 US Dollar erreicht. Hatten wir vor wenigen Wochen noch vom Schreckgespenst der Deflation angst, so spukt jetzt schon wieder das von steigenden Preisen und Inflation herum.

Angesichts von so vielen Unsicherheiten muss man sich fragen ob der derzeitige Höhenflug an den Börsen gerechtfertigt ist, oder ob es sich bei dieser Hausse eher um eine kurzfristige Rally in einer Börsenbaisse handelt. Ein bisschen Licht in die Sache könnte eine interessanter Umstand bringen, der im unterschiedlichen Preisniveau von drei Aktienklassen der US Bank Citigroup liegt. Es handelt sich dabei um ‘normale’, ‘bevorzugte’ und ‘synthetische’ Aktien.

Das ‘Gesetz von einem Preis’ müsste nun auf Grund der großen Streuung von Investmentmöglichkeiten durch das Ausnutzen von Preisunterschieden (Arbitrage) bewirken, das der Preis für diese unterschiedlichen Klassen einer bestimmten Aktie beinahe gleich ist. Zur Zeit ist das aber nicht der Fall. Die Preise weiche stark voneinander ab.

     The Citigroup anomaly:

    Method    Cost ( Anmerkung: pro 1000 Stk.)

     Simple        $3,670

     Preferred     $3,052

     Synthetic    $3,160

(Anmerkung: Bei der Klasse ‘synthetisch’ handelt es sich um Optionen mit einem Verfallsdatum von September 2009 und einem Strike von $4. Bei den Vorzugsaktien handelt es sich um die F Serie.)

Eine sehr plausible Erklärung für diese relativ großen Preisunterschiede liefert, dass der Leerverkauf von einfachen Aktien für Arbitrageurs zur zeit zu schwierig bzw. zu teuer ist. Das wäre ein klares Zeichen für eine Überhitzung an den Aktienmärkten. Der relativ große Preisunterschied zwischen ‘einfach’ und ‘bevorzugt’ könnte bedeuten dass Aktien derzeit zu teure sind.

Auch den Umstand dass der Preis von Vorzugsaktien nahe an dem der synthetischen Aktien liegt könnte man so deuten. Die Preisfindung bei synthetischen Aktienspekulationen, zum Beispiel Optionen, ist generell vertrauenswürdiger da es sich bei den Akteuren meist um erfahrene Spezialisten handelt.

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Written by Alfred

29. May 2009 at 12:48 pm

Aufschwung an den Börsen: real?

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David Rosenberg, Chefökonom der mittlerweile von Bank of America übernommenen Investmentbank Merril Lynch, verlässt die Firma, nicht aber ohne vorher noch eine ziemlich düstere Bewertung der Wirtschaftslage abzugeben. Ganz besonders geht er der Frage nach ob der derzeitige Höhenflug bei den Börsen mehr ist als nur ein vorübergehendes Stimmungshoch. Sein Schluss: It’s Just a sucker’s rally! Das ist umso ernüchternder weil Rosenberg ein echter Kenner der Wirtschaft und der Kapitalmärkte ist, der in der Vergangenheit in seinen Vorhersagen stets richtungsweisend und präzise war.

Der Ökonom glaubt, dass die Aufwärtsbewegung der letzten neun Wochen an den Börsen von erstaunlichen fast 40 Prozent mit Freitag vergangener Woche ihren Höhepunkt erreicht hat. Er sieht heute die Risiken viel größer als zum Vergleich zu den fast gleichen Marktpreisen Anfang Jänner dieses Jahres.

Risk is much higher now than it was 18 weeks ago.  The nine-week S&P 500 surge from 666 at the March lows to 920 as of yesterday has all but retraced the prior nine-week decline from the 2009 peak of 945 on January 6 to the lows on March 9. We believe it is appropriate to put the last nine weeks in the perspective of the previous nine weeks.

Rosenberg gesteht zwar ein dass sich der wirtschaftliche Abschwung seit der post-Lehman Kreditklemme verlangsamt hat, glaubt aber trotzdem nicht an die Nachhaltigkeit dieses Aufschwungs. Arbeitslosigkeit, Produktion, Verdienst und Nachfrage an Konsumgütern sind nachwievor in einer fundamentalen Abwärtsbewegung. Obwohl sich das GDP etwas erholt werden die Märkte doch dieser begrenzten nach-Rezessionsphase erliegen. Ganz besonders gehört Rosenberg zu denen die in dieser Krise eine fundamentale Veränderung der amerikanischen Psyche sehen, wobei bei den Konsumenten eine Veränderung hin zur vermehrten Sparbereitschaft entstehen wird.

We strongly believe it is premature to totally rule out the end of the vicious cycle of real estate deflation – residential and now commercial – that we have been experiencing since 2007.  Balance sheet compression in the household sector will continue to pressure the personal savings rate higher at the expense of discretionary consumer spending. This is a secular development, meaning that we expect it will last several more years.

Diese sehr interessante Graphik zeigt die persönliche Sparquote der Amerikaner seit 1929. Auffallend ist die starke Abwärtsbewegung die Mitte der 80er Jahre begonnen hat und ziemlich genau mit dem Zeitverlauf der Kreditblase in Amerika übereinstimmt. Falls Rosenberg Recht hat und dieser Trend endgültig gebrochen ist wird sich damit die Weltwirtschaft auch entscheidend verändern.

PersonalsavingsrateAmerica

courtesy CR, http://www.calculatedriskblog.com/

Written by Alfred

12. May 2009 at 11:15 am