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Billiges Geld – Ramschanleihe – Umschuldung

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So könnte man in Stichwörtern beschreiben wie die Finanzkrise die Kapitalmärkte grundlegend verändert. Der freie Geldfluss unter den Banken und die Kreditvergabe an Private und Unternehmen ist fast ausgetrocknet. In der Zwischenzeit hat sich die Situation aber etwas gebessert. Die großen Finanzinstitute können wieder den Kapitalpool anzapfen. Große Unternehmen können mit Hilfe von Staatsgarantien bestehende Darlehen verlängern und somit ihren Kapitalbedarf decken. In Zeiten der Krise sind private Investoren nur dann bereit Geld zu verleihen wenn sie als Bedingung eine direkte Hotline zu den Schatzkoffern der öffentlichen Hand bekommen. Ob das ein Symptom von Ursache oder Wirkung ist? Fest steht jedoch, dass nicht-Finanzinstituten und kleinere Unternehmen, sofern sie nicht systemrelevant sind, diese Möglichkeiten nur beschränkt offenstehen. Immer mehr der betroffenen Betriebe geraten daher in Zahlungsnot und versuchen vergeblich ihre bestehenden Darlehen zu refinanzieren. Wenn ihnen das nicht gelingt bleibt ihnen oft nur der Ausweg in den Konkurs, was sich belastend auf den Arbeitsmarkt auswirkt.

Ein Beispiel wie ein Betrieb auf die gegenwärtige Marktlage reagiert und sozusagen von einer üblen Situation das beste herausholen will, liefert der Sportartikelhersteller Head. Am 21. April dieses Jahres hat die Firma ein nicht-öffentliches Umtauschangebot für ausstehende Anleihen (8.5 prozentige Anleihen, fällig 2014) im Nennwert von 135.000.000 Euro bekanntgegeben. Die alten Anleihen sollten gegen neue ebenfalls 2014 fällige besicherte Anleihen umgetauscht werden. Ziel dieser Refinanzierung ist es die Gesamtschulden und damit die Zinsbelastung zu verringern. Zusätzlich will man auch bestimmte Zusatzklauseln, wie zum Beispiele die Aufkündigung der Anleihe bei Verzugsfall, ausschließen und damit die Finanzierung bis 2014 sicherstellen.

Bei der Umtauschaktion wird eine bestehende Anleihe im Wert von 1000 Euro mit einer gesicherten Anleihen mit einem Nennwert von 350 ausgetauscht. Wer nach dem 11. Mai seine Anleihe umtauscht soll nur mehr 300 Euro im Gegenwert erhalten. Ursprünglich sollte die Aktion am 11. Mai auslaufen. Wegen mangelndem Interesse wurde zunächst auf den 22. Mai verlängert, und die gesicherten Anleihen wurden auch nach dem 11. Mai mit 350 Euro begeben. Jetzt wurde noch einmal auf den 5. Juni verlängert.

Den Anlegern ist dieser Tauschhandel aber offensichtlich nicht genug. Bisher wurden Anleihen mit einem Nominalwert von etwa nur 6.6 Millionen umgetauscht. Sie sind mit den 35 Cent je Euro nicht zufrieden, obwohl laut UniCredit zu Zeit nur 20 Cent auf dem Markt geboten werden. Standard & Poors hat es mit Triple-C bewertet und sieht in der Anleihe ein “Ramschpapier”. UniCredit erwartet daher auch einen Gesamtausfall. Das könnte für die Anleger ins Auge gehen, aber in jedem Fall ist Head der Verlierer weil wegen möglicher Liquiditätsengpässe der Schuldenberg abgebaut werden muss. Gelingt das nicht könnten bald Liquiditätsschwierigkeiten auftreten und der Weg zum Konkurs anstehen.

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Written by Alfred

22. May 2009 at 12:26 pm

ZEW erholt sich – keine Entwarnung aber ein Funke Hoffnung

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Das Sentiment über die Wirtschaftslage (ZEW-survey) hat sich unter den 294 befragten Analysten und Finanzmarktexperten im Monat Mai wieder deutlich aufgehellt. Insbesondere haben sich bei den Experten die Erwartungen, das sich die Wirtschaft in den nächsten 6 Monaten erholen wird, gestärkt. Für die Eurozone sehen um 17 Prozent mehr als im Vormonat eine Verbesserung, für die USA sind es um 13 Prozent mehr Analysten die ein Verbesserung erwarten. Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage wird von durchwegs über 90 Prozent der Befragten als schlecht eingeschätzt.

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Interessant ist das bei der Beurteilung der unterschiedlichen Wirtschaftsbereiche nur im angeschlagenen Finanzsektor eine Verbesserung registriert wird. Wobei bei allen Sektoren, wieder mit Ausnahme der Banken und Versicherungen, auf monatssicht gesehen mehr Analysten eine schlechtere Bewertung abgegeben haben.

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Obwohl die Märkte positive auf die Veröffentlichung reagiert haben sind die Ergebnisse alles andere als gut. Das unter der Finanzbranche Optimismus aufkeimt ist zu einem Teil Berufskrankheit. Kapitalmärkte ohne Zweckoptimismus gibt es ganz einfach nicht. Eine tatsächliche Erholung in der Branche ist aber auch nicht weiter verwunderlich, nach den vielen hunderten Milliarden die in die Finanzmärkte gepumpt worden sind und weiter werden. Für Amerikanische Banken hat sich besonders im März dieses Jahres das Blatt gewendet, als das Financial Standard Accounting Board (FASB) kurzerhand die sogenannte “significant judgement rule” eingeführt hat. Diese Regeländerung erlaubt den Banken genau das, nämlich bei der Bewertung finanzieller assets eigene Richtlinien zu verwenden. Wer einmal lügt dem glaubt man nicht und den Banken schon gar nicht, die sich sicherlich mit dieser Regeländerung nicht in den eigenen Fuß ihrer Bilanzen schießen werden.

Aber dass man auch und gerade die Europäischen Banken mit Samthandschuhe anfasst, ist spätestens seit Ende letzter Woche Gewissheit. Die EU hat unter der Federführung der ECOFIN, Council for Economic and Financial Affairs, um dem Beispiel der Federal Reserve zu folgen, Stresstests für die heimischen Banken angekündigt. Auf Druck nationaler Interessen hat die ECOFIN aber beschlossen die Ergebnisse eines solchen Tests geheim zu halten. Ein Umstand der im krisengeschüttelten Amerika, zumindest nicht in der Öffentlichkeit, nicht einmal andiskutiert geschweige denn umgesetzt wurde.

Unter diesen Umständen ist es nicht weiter verwunderlich dass Optimismus aufkeimt und Kapitalmärkte wieder nach oben gehen. Vielleicht liegt in diesem Zweckoptimismus aber auch ein Funke Hoffnung, das sich die Wirtschaft tatsächlich den ZEW Erwartungen anschließt. Dann kann das Wunder des einundzwanzigsten Jahrhunderts vielleicht doch noch Realität werden, und obwohl sich die Geschichte nicht wiederholt kann sie sich sehr wohl reimen. JP Morgan lässt Grüßen.

Written by Alfred

19. May 2009 at 3:38 pm

Aufschwung an den Börsen: real?

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David Rosenberg, Chefökonom der mittlerweile von Bank of America übernommenen Investmentbank Merril Lynch, verlässt die Firma, nicht aber ohne vorher noch eine ziemlich düstere Bewertung der Wirtschaftslage abzugeben. Ganz besonders geht er der Frage nach ob der derzeitige Höhenflug bei den Börsen mehr ist als nur ein vorübergehendes Stimmungshoch. Sein Schluss: It’s Just a sucker’s rally! Das ist umso ernüchternder weil Rosenberg ein echter Kenner der Wirtschaft und der Kapitalmärkte ist, der in der Vergangenheit in seinen Vorhersagen stets richtungsweisend und präzise war.

Der Ökonom glaubt, dass die Aufwärtsbewegung der letzten neun Wochen an den Börsen von erstaunlichen fast 40 Prozent mit Freitag vergangener Woche ihren Höhepunkt erreicht hat. Er sieht heute die Risiken viel größer als zum Vergleich zu den fast gleichen Marktpreisen Anfang Jänner dieses Jahres.

Risk is much higher now than it was 18 weeks ago.  The nine-week S&P 500 surge from 666 at the March lows to 920 as of yesterday has all but retraced the prior nine-week decline from the 2009 peak of 945 on January 6 to the lows on March 9. We believe it is appropriate to put the last nine weeks in the perspective of the previous nine weeks.

Rosenberg gesteht zwar ein dass sich der wirtschaftliche Abschwung seit der post-Lehman Kreditklemme verlangsamt hat, glaubt aber trotzdem nicht an die Nachhaltigkeit dieses Aufschwungs. Arbeitslosigkeit, Produktion, Verdienst und Nachfrage an Konsumgütern sind nachwievor in einer fundamentalen Abwärtsbewegung. Obwohl sich das GDP etwas erholt werden die Märkte doch dieser begrenzten nach-Rezessionsphase erliegen. Ganz besonders gehört Rosenberg zu denen die in dieser Krise eine fundamentale Veränderung der amerikanischen Psyche sehen, wobei bei den Konsumenten eine Veränderung hin zur vermehrten Sparbereitschaft entstehen wird.

We strongly believe it is premature to totally rule out the end of the vicious cycle of real estate deflation – residential and now commercial – that we have been experiencing since 2007.  Balance sheet compression in the household sector will continue to pressure the personal savings rate higher at the expense of discretionary consumer spending. This is a secular development, meaning that we expect it will last several more years.

Diese sehr interessante Graphik zeigt die persönliche Sparquote der Amerikaner seit 1929. Auffallend ist die starke Abwärtsbewegung die Mitte der 80er Jahre begonnen hat und ziemlich genau mit dem Zeitverlauf der Kreditblase in Amerika übereinstimmt. Falls Rosenberg Recht hat und dieser Trend endgültig gebrochen ist wird sich damit die Weltwirtschaft auch entscheidend verändern.

PersonalsavingsrateAmerica

courtesy CR, http://www.calculatedriskblog.com/

Written by Alfred

12. May 2009 at 11:15 am